Über das Projekt (Langfassung)

Nicht-erneuerbare Ressourcen müssen eingespart oder durch erneuerbare Ressourcen, worunter Biomasse einen zentralen Stellenwert einnimmt, ersetzt werden. Daraus resultieren Konkurrenzen zwischen stofflichen und energetischen Verwendungen von Biomasse sowie zwischen Biomasse- und Nahrungsmittelproduktion. Diese können sich durch Produktivitätseinbußen aufgrund des Klimawandels und der Verteuerung bzw. Verknappung fossiler Stoffe verschärfen. Zentrales Resultat sind politische Handlungsoptionen für eine nachhaltige Landnutzung in Österreich angesichts von (1) Klimawandel, (2) Preissteigerungen bzw. möglichen Verknappungen bei fossilen Stoffen und Düngemitteln und (3) wachsender Biomassenachfrage. “SOS” entwickelt konkrete, auf Simulationen basierende Steuerungsvorschläge für eine Minimierung von Nutzungskonkurrenzen. Eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Minimierung von Nutzungskonkurrenzen sind die langfristigen Ertragspotenziale der österreichischen Land- und Forstwirtschaft für die Produktion von Nahrungsmitteln und Biomasse. Um unterschiedliche Entwicklungspfade einer Energie- und Rohstoffwende und ihre Auswirkungen auf die Flächennutzung darzustellen, werden Flächennutzungszenarien entwickelt. Angesichts des existenziellen Handlungsbedarfs für eine Energie- und Rohstoffwende sind „normative“ Szenarien entscheidungsrelevant. Die Bildung solcher Szenarien der Landnutzung, die sich jeweils bis 2050 erstrecken, geschieht in folgenden Schritten:

  1. Modellierung potenzieller Nutzungstypen. Für Waldflächen, Feldfrüchte, Kurzumtriebskulturen und Grünlandtypen wird die  für die jeweiligen Nutzungstypen – ertragsoptimal nutzbare Fläche mit GIS räumlich hochaufgelöst modelliert. Ein regionalisiertes Klimaszenario erlaubt eine Modellierung der Flächen- und Ertragspotenziale bis 2050.
  2. Bildung von Szenarien der Bedarfs- und Produktionsentwicklung. Für verschieden ambitionierte Szenarien einer regionalen Energie- und Rohstoffwende wird die Landnutzungstypenverteilung in Österreich räumlich explizit bis 2050 modelliert. Die Differenz zwischen inländisch aufbringbarem Biomasse- und Nahrungsangebot und Konsumniveau müssen Importe decken. Das Projekt erhebt daher Status quo und Entwicklungstrends von Biomasseimporten.
  3. Szenarienbewertung. Die Szenarien werden hinsichtlich Konsumniveaus, notwendiger Effizienzverbesserungen und Biomasseimporte, Verhaltens- und Lebensstiländerungen und wirtschaftlicher Folgen bewertet. Im zweiten Schritt werden die Szenarien hinsichtlich der Voraussetzungen und möglicher Auswirkungen in den Exportländern von Biomasse bewertet.

Um proaktives Handeln bei Stakeholdern zu födern und Steuerungsmöglichkeiten zu entwickeln, wird ein partizipativer, bundesweiter Prozess mit Stakeholdern organisiert, der 3 Phasen hat.

  1. Erstellung eines Argumentariums. Ressourcen-Assessments, Bedarfs- und Produktionsentwicklung und Szenarienbewertung werden als Argumentarium dargestellt.
  2. Sensitivitätsanalyse. Das Projektteam erarbeitet in Rücksprache mit den Stakeholdern ein Modell des Systems “Landnutzung in Österreich” in Form einer Wirkungsmatrix (Systemparameter und ihre Beziehungen). Dieses Modell ist Basis einer Sensitivitätsanalyse nach Frederic Vester, die zusammen mit Stakeholdern in Workshops erarbeitet wird.
  3. Ableitung von Politik-Szenarien. Es werden Steuerungsparameter abgeleitet und Politikszenarien simuliert, die von den Stakeholdern interpretiert und diskutiert werden. Ausgehend von einem Vergleich von Politiken und Politikvorschlägen zur Anpassung an Ressourcenverknappung in Europa und Nordamerika werden Handlungsoptionen für eine nachhaltige Landnutzung in Österreich systematisch mit Fokus auf nicht-staatliche Akteure und zivilgesellschaftliche Steuerungsmöglichkeiten dargestellt.