CO2-Handel und Landutzung. Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit fand am 27. Mai in Oslo eine Klimakonferenz statt, die „Oslo Climate and Forest Conference“. Thema war das UN-Klimaprogramm REDD („Reduced Emissions from Deforestation and Forest Degradation in Developing Countries“), mit dem internationale Mechanismen für die Reduktion der Entwaldungsraten in Entwicklungsländern geschaffen werden sollen. Immerhin 17 Prozent der jährlichen globalen CO2-Emissionen sollen laut Schätzungen von Experten auf den Rückgang der Waldflächen und der damit verbundenen Freisetzung des bis dahin in der Biomasse gebundenen Kohlenstoffs zurückgehen. Bedeutendstes Ergebnis des Treffens ist die Verpflichtung Indonesiens, zwei Jahre lang keine neuen Konzessionen zur Abholzung von natürlichem Regenwald zu erteilen. Für diese Verpflichtung zahlt Norwegen eine Milliarde Dollar an Indonesien. Ganz selbstlos ist diese Geldgabe freilich nicht, denn Norwegen erhält laut carbonpositive im Gegenzug sogenannte „Forest Offset Credits“, also CO2-Guthaben, die auf die inländischen Emissionsreduktionsziele angerechnet werden können. → Guardian: Countries agree to spend big to save world’s forests. → carbonpositive: Indonesia freezes forest clearing.
Agrotreibstoffe. Die Lufthansa plant Serientests mit Agrotreibstoffen. Entsprechende Ankündigungen wurden in den vergangenen Monaten bereits von anderen großen Fluggesellschaften wie British Airlines und Continental gemacht. Die Firmen reagieren damit auf die zu erwartende Verteuerung des Kerosins durch den EU-Emissionshandel, in den die Fluggesellschaften ab dem Jahr 2012 einbezogen werden sollen, sowie auf sich verknappende fossile Ressourcen. → Reuters: Lufthansa plant bis 2012 Serientests mit Biotreibstoff.
Bewaldung der Erdoberfläche. Seit einiger Zeit gilt die Regel, dass die Waldfläche von Industriestaaten zunimmt, während jene von Entwicklungsländern zurückgeht. Die Region New England im Nordosten der USA zeigt nun, dass diese Regel nicht in Stein gemeißelt ist. Denn nachdem die Waldfläche in dem Bundesstaat im Nordwesten der USA zwischen nach dem Jahr 1850 über 130 Jahre hinweg kontinuierlich zunahm, zeichnet sich seit den 1980er Jahren langsam aber sicher eine Trendwende ab, wie in einem neu erschienenen Bericht des Waldforschungsinstitut der Harvard University berichtet wird. Sollte sich der Trend einer abnehmenden Waldfläche auf die Industrieländer insgesamt ausweiten, ist das auch hinsichtlich des Klimawandels besorgniserregend, da bei fortgesetzter Entwaldung der in Form der Biomasse gespeicherte Kohlenstoff als CO2 frei wird. → Wildlands and Woodlands: Die Website zum Bericht über New Englands Wälder.
Entwicklung der Biodiversität. 1992 wurde auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro die Biodiversitätskonvention verabschiedet, 2002 verpflichteten sich die Staaten auf dem Erdgipfel in Johannesburg, bis zum Jahr 2010 immerhin die Verlustraten zu reduzieren. Dieses Ziel wurde im Anschluss daran auch Teil der „Millenium Development Goals“. Im gerade veröffentlichten, dritten „Global Biodiversity Outlook“ der UN-Umweltorganisation UNEP wird festgestellt, dass dieses Ziel nicht erreicht werden konnte. Angesichts eines immer größer werdenden Drucks auf die Landnutzung auch durch den Anbau von Agrotreibstoffen erstaunt das leider wenig. → Der Global Biodiversity Outlook 3 der UNEP.
Neues aus Österreich. Das Umweltforschungsinstitut SERI ging in einem gerade abgeschlossenen Projekt der Frage nach, ob Österreich die Klima- und Energieziele erreichen kann, die es sich selbst gesetzt hat. Verschiedene Szenarien hinsichtlich politischen Strategien und Verhaltensänderungen wurden mit Hilfe eines volkswirtschaftlichen Modells auf ihre ökonomischen Auswirkungen und ihre Machbarkeit innerhalb des gegebenen gesellschaftlichen Rahmens getestet. Die Ergebnisse sind ernüchternd, denn nur in einem einzigen Szenario, in dem es zu deutlichen Verhaltensänderungen kommt, dessen Wahrscheinlichkeit die ForscherInnen jedoch als „eher gering“ einstufen, wird Österreich seine Ziele erreichen. Mit diesem eher pessimistischen Ausblick steht Österreich als Land nicht alleine da: Die britische Berategruppe Cambridge Econometrics kommt in einer ebenfalls vergangenen Monat publizierten Studie zum Schluss, dass auch die UK bei Fortsetzung des gegenwärtigen Pfades die Klima- und Energieziele verfehlen wird. → Der Presstext des SERI über die Ergebnisse des Projektes e-co.