Biogene Treibstoffe
- Als Teil ihres Klimaschutzpakets hatte sich die Europäische Union 2008 das Ziel gesetzt, den Anteil Erneuerbarer im Bereich Verkehr auf zehn Prozent bis zum Jahr 2020 auszuweiten, wobei bislang erwartet wird, dass ein Großteil davon durch Agrotreibstoffe gedeckt werden muss. Hinter den Kulissen gibt es nun offenbar innerhalb der EU-Verwaltung Auseinandersetzungen darüber, ob diese Beimischungsziele noch zu halten sind. Der Hintergrund: Von der europäischen Komission beauftragte Studien über die Auswirkungen von Biotreibstoffen sorgen nun wieder einmal für Bedenken, dass bereits bei einer Beimischung von zehn Prozent mit sozial und ökologisch unangenehmen Auswirkungen gerechnet werden muss. Bislang hält die EU-Kommission einen Teil der Ergebnisse noch unter Verschluss, weshalb sie zunehmend unter Beschuss durch EU-Parlament und Umwelt-NGOs gerät.
Die Financial Times Deutschland über die EU-Studie zum Biosprit
Die Financial Times Deutschland über die wackelnden EU-Ziele für Biosprit
CO2-Handel und Landutzung
- Die WissenschafterInnen Jacob Phelps, Edward L. Webb und Arun Agrawal von den Universitäten Singapur und Michigan kritisieren in einem in einem in der April-Ausgabe der Zeitschrift Science erschienenen Artikel das UN-Programm REDD. Das geplante Klimaschutzinstrument, das zukünftig eigentlich den Rückgang von Waldflächen in Entwicklungsländern reduzieren soll, begünstige die staatliche Verwaltung von Wäldern und drohe so einen jüngst zu beobachtenden Trend hin zur Lokalisierung der Waldverwaltung umzukehren, so die Autoren. Das aber bedeute nichts Gutes für den Waldschutz. Denn die lokale und gemeinschaftliche Verwaltung der grünen Lungen als „Commons“ stellte sich in vielen Studien als besonders effektiv hinsichtlich ihres Schutzes heraus.
“Seeing REDD over Forest People” – Arun Agrawal auf BBC News
- Auch das „Latin American Indigenous Forum on Climate Change“, das Anfang April in Costa Rica tagte, äußert sich kritisch gegenüber marktbasierten Mechanismen zur Eindämmung des Klimawandels, darunter UN-REDD. In der Abschlusserklärung heißt es: „Solutions to global warming based on the logic of the market are a threat to the rights and way of life of indigenous people“ [Auf der Logik des Marktes basierende Lösungen des Klimawandels stellen eine Bedrohung für die Rechte und den Lebensstil indigener Menschen dar].
Weblog-Eintrag zum Latin American Indigenous Forum on Climate Change
Treibhausgasemissionen durch die Landwirtschaft
- Die FAO untersucht in einem neuen Bericht die Treibhausgasemissionen der – hauptsächlich Milch, als Nebenprodukt aber auch Fleisch produzierenden – Milchwirtschaft. Dem Bericht nach werden global etwa vier Prozent der Treibhausgasemissionen durch diesen Bereich verursacht. Diese Zahl von vier Prozent umfasst sowohl den Ausstoß von Methan durch die Rinder und Kälber als auch die mit Herstellung und Verteilung von Milch direkt und indirekt verbundenen CO2-Emissionen. Als Grundlage für die Entwicklung von Strategien zur Reduktion der Treibhausgasemissionen im Tiersektor wird die FAO bis 2011 entsprechende Berichte für andere Bereiche der Tierproduktion vorlegen. In einem Vorläuferbericht mit dem Titel „Livestock’s Long Shadow“ kam die FAO bereits 2006 zum Schluss, dass 18 Prozent der Treibhausgasemissionen durch den gesamten Tierproduktionssektor verursacht sind.
Die FAO-Presseaussendung zu Treibhausgasemissionen durch die Milchwirtschaft
Der FAO-Bericht zu Treibhausgasemissionen durch die Milchwirtschaft
Der FAO-Bericht zu Treibhausgasemissionen durch die Tierproduktion von 2006
Entwaldung im Amazonasgebiet
- Dass der Sojaanbau in Brasilien die Entwaldung im Amazonasbecken wesentlich mitverursacht, wird immer wieder auf der Grundlage der Beobachtung bezweifelt, dass die direkte Ursache für Abholzungen im Amazonasbecken zumeist die Schaffung von Rinderweiden und nicht von Sojafeldern ist. In einem in der Zeitschrift Environmental Research Letters veröffentlichten Artikel, in dem Elizabeth Barona und ihre Kollegen Landnutzungsveränderungen in einer brasilianischen Region untersuchen, wird zwar bestätigt, dass der Wald zumeist Rinderweiden und nicht Sojafeldern zum Opfer fällt. Jedoch kommen die Autoren zum Schluss, dass indirekt sehr wohl die Ausbreitung des Sojaanbaus ein wesentlicher Mitverursacher der Entwaldung ist und die Rinderweiden vor allem eine Mittlerrolle einnehmen, also in vielen Fällen nur die Vorhut der später nachfolgenden Sojafelder sind. Ein wesentlicher Mechanismus, das zeigen laut den Autoren andere Studien, sei dabei die Bodenrente. Der hoch profitable Sojaanbau treibt die Bodenpreise in die Höhe, wodurch es für die Rinderzüchter möglich wird, die Weiden mit hohem Profit an die Sojabauern zu verkaufen und damit weitere Flächen zu roden.
Der Artikel über die Entwaldung durch Sojaanbau von Barona et al. (freier Zugang)
Globale Entwaldung
- In einem in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichten Artikel untersuchen Matthew Hansen und seine Kollegen von der Universität Berkeley die globale Veränderung von Waldflächen zwischen 2000 und 2005. Basierend auf Satellitendaten kommen sie zum Ergebnis, dass in diesem Zeitraum die globale Waldfläche um 3,1 Prozent zurückging. Die – bezogen auf die gesamte Waldfläche des jeweiligen Kontinents – größten Verluste gab es dabei in Nordamerika (-5,1%), gefolgt von Australien/Ozeanien (-3,7%), Asien (-2,8%) und Europa (-2,8%), Südamerika (-2,7%) und Afrika (-2,0%). Angesichts bisheriger Erkenntnisse zur Entwicklung der Waldfläche, darunter dem neuen Global Forest Resources Assessment der FAO (wir berichteten in der letzten Monatschronik), überrascht vor allem, dass es laut Hansen et al. zwischen 2000 und 2005 auch in den Regionen Nordamerika, Europa und Asien einen abnehmenden Trend bei den Waldflächen gab – Regionen, bei denen bisher davon ausgegangen wurde, dass deren Waldflächen eher zunehmen. Die Autoren führen diese Abnahme auch in den nördlichen Regionen auf Waldbrände und -Krankheiten zurück. Zudem sei ein Vergleich zwischen verschiedenen Studien aufgrund der unterschiedlichen Systemgrenzen und Definitionen (z.B.: Wo liegt die Grenze zwischen Wald und Savanne?) schwierig.
Artikel von Hansen et al. über globale Entwaldungsraten (freier Zugang)
Neues aus Österreich
- Die Arge Biokraft berichtet, dass die Produktion biogener Treibstoffe in Österreich 2009 erneut deutlich anstieg, auf 323′000 Tonnen Biodiesel (2008: ca. 250′000 Tonnen) und 138′000 Tonnen Bioethanol (2008: ca. 69′000 Tonnen). Damit liege die Beimischungsquote in Österreich beim Benzin bereits bei fünf Prozent, beim Diesel sogar bei sieben Prozent.
APA-Artikel über die heimische Biokraftstoffproduktion
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Das Umweltbundesamt stellt in einer neuen Studie Szenarien zum Ausbau der Elektromobilität bei PKWs in Österreich vor. Unter der Annahme idealer politischer, wirtschaftlicher und technologischer Bedingungen sollen der Studie nach bis zum Jahr 2020 knapp vier Prozent der gesamten Fahrzeugflotte bzw. knapp 17 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge in Österreich elektrisch betrieben sein, bis zum Jahr 2050 soll sich der Anteil an der gesamten Fahrzeugflotte auf 74 Prozent und sämtliche Neuzulassungen erhöhen. Allerdings gehen die Autoren selbst unter Annahme günstigster Bedingungen davon aus, dass eine vollständige Substitution der PKW-Flotte durch elektrisch betriebene Fahrzeuge bis mindestens 2075 dauert. Unter Annahme des Einsatzes erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung würde sich damit bis 2050 der CO2-Ausstoß im Privatverkehr um 80 Prozent reduzieren, der Strombedarf durch die Elektrofahrzeuge läge bei etwa 9 GWh, das entspricht etwa zwölf Prozent des derzeitigen gesamten Stromverbrauchs in Österreich. Außen vor bleibt dabei freilich die Frage, inwieweit durch intelligente Verkehrskonzepte der Bestand an PKWs sowie die damit verbundene Fahrleistung zurückgehen könnte. Bis 2050 wird in der Studie sowohl von einem weiter steigenden PKW-Bestand als auch einer steigenden Fahrleistung pro Person ausgegangen. Ebenfalls nicht diskutiert wird die durchaus problematische Frage des Ressourcenbedarfs durch Elektrofahrzeuge, speziell der von den Batterien benötigten, relativ knappen und hauptsächlich in Bolivien und China zu findenden Ressource Lithium.
Website zur UBA-Studie über Elektromobilität
Die FAO untersucht in einem neuen Bericht die Treibhausgasemissionen der – hauptsächlich Milch, als Nebenprodukt aber auch Fleisch produzierenden – Milchwirtschaft. Dem Bericht nach werden global etwa vier Prozent der globalen Treibhausgasemissionen durch diesen Bereich verursacht. Die Zahl von vier Prozent umfasst sowohl den Ausstoß von Methan durch die Rinder und Kälber als auch die mit Herstellung und Verteilung von Milch direkt und indirekt verbundenen CO2-Emissionen. Als Grundlage für die Entwicklung von Strategien zur Reduktion der Treibhausgasemissionen im Tiersektor wird die FAO bis 2011 entsprechende Berichte für andere Bereiche der Tierproduktion vorlegen. In einem Vorläuferbericht mit dem Titel „Livestock’s Long Shadow“ kam die FAO bereits 2006 zum Schluss, dass 18 Prozent der Treibhausgasemissionen durch den gesamten Tierproduktionssektor verursacht sind.

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